Neues aus Lindenbrunn

Guten Morgen

Freitag Morgen. Hochbetrieb im REAL. Hausfrauen und Hausmänner jeden Alters strömen durch die große Glasdrehtür.

Hinter der Tür ist ein Verkaufsstand. Diesmal werden Taschen angeboten. Taschen aller Größen und Farben, aus Leder oder Stoff, aber auch Gürtel oder Portemonnaies kann man auf dem Weg in den Markt aus den Augenwinkeln sehen. Auch ich werfe einen Blick auf den Berg bunter Vielfalt. Es könnte ja ein Schnäppchen versteckt sein. Mein Blick wandert über den Tisch bis zum Ende, wo recht verloren auf einem Klappstuhl eine Frau sitzt. „Guten Morgen“, nicke ich ihr freundlich zu und merke, wie ihr versteinertes Gesicht weich wird und dann ein ganz trauriger Ausdruck um ihre Augen erscheint. Ich gucke fragend zurück. Sie antwortet: „Wissen sie, wie gut das tut? Sie sind die erste, die mich heute grüßt.“

Der Supermarkt hat bereits seit 3 und einer halben Stunde geöffnet.

Spuren hinterlassen manchmal auch Dinge, die wir nicht tun.

Cleo Schneider, 20.7.2010


Was glauben Sie, wozu die Markierungen da sind ?!?!

Neben der Post von Lindenbrunn ist ein kleiner enger Parkplatz. Gestern Vormittag musste ich dort einen Brief aufgeben. Neben einem VW Polo, geparkt quer über zwei Plätze war eine Lücke, und hier parkte ich ein. In guten Abstand zu dem Polo, aber eben nun auch quer über zwei Plätze.

Nach 10 Minuten kam ich wieder aus der Post und erschrak, weil ich einen weißen Zettel an der Windschutzscheibe flattern sah. Hatte ich eine Parkuhr übersehen? War mein Auto gerammt worden? Nein, zum Glück alles nicht. Auf dem Zettel stand in großer kratziger Schrift: „Was glauben  Sie, wozu die Markierungen da sind ?!?!“ Fragezeichen, Ausrufezeichen, Fragezeichen, Ausrufezeichen.

Hm – fragte ich mich – und wie glauben Sie, lieber Unbekannter, soll ich Ihre Frage beantworten? Soll ich hier eine Antwort auf den Asphalt pinseln? Und überhaupt, ich könnte mir viele Gründe für diese Markierungen vorstellen: Kinder könnten zum Beispiel auf den Linen balancieren. Oder man könnte sie als Orientierung beim Einparken nutzen. Allerdings fand ich es für mein Auto wesentlich besser, dass die mich an dem geparkten Polo und nicht an den Linien orientiert habe. Denn das hätte sicher bei allen Beteiligten wirklich Ärger verursacht.

Apropos Ärger: Der Zettel zeigte mir, der unbekannte Schreiber hat sich über mich geärgert. Und ich hätte mich doch beinahe über den unbekannten Schreiber geärgert. So viel Ärger am frühen Morgen. Wozu?

Cleo Schneider, 16.5.2010