Spuren

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Das Jahresthema für 2010 der Werkstatt 93 lautete „Spuren“ und inspirierte mich zu verschiedenen Arbeiten.

Ein Gedanke war, die Spuren des Alltags festzuhalten. Bei dem Versuch, Spuren menschlichen Verhaltens im Alltag zu konservieren, ist die Reihe „Neues aus Lindenbrunn“ entstanden. Momentaufnahmen, die in jeder beliebigen Deutschen Kleinstadt entstanden sein könnten. Die Reihe wird auch nach Ende des Jahresthemas erweitert.


Spuren hinterlassen auch die Dinge, die wir nicht tun.


Wenn man sehr intensiv dem Thema Spuren auf der Spur ist, sieht man über kurz oder lang nur noch Spuren. Künden doch Spuren von Dingen die gewesen sind. Sie geben nicht wirklich das Geschehene wieder, sie sind nur ein Hinweis auf das Vergangene, so lange sichtbar, bis auch diese Spuren wieder verschwinden. Mit der Kamera in der Hand gelang es mir, die Spuren eines Eschborner Straßenfestes zu konservieren.

Können Sie die Geschichte lesen? Auch ohne Worte?

Vielleicht sollte ich noch dazu verraten, dass Tina und Toby sehr darum gekämpft hatten, zur gleichen Zeit für den Fußballverein Spießbraten verkaufen zu dürfen. Der Samstag ging auch sehr gut los. Die beiden hatten viel Spaß, Scherze flogen wie flinke Vögel hin und her und die Gäste kauften gern und viel. Nach Ende ihrer Schicht bummelten die zwei über den Mark. Am Glücksrad gewann Toby einen Luftballon, den er Tina schenke, die ihn sich ganz in Festtagslaune wie ein kleines Mädchen an das Handgelenk band. Sie tranken hier ein Bierchen, da einen Wein und genossen es, endlich erwachsen zu sein. Leider begann es am Abend zu regnen. Unter den bereitgestellten Zelten und Schirmen war es eng. Tina und Toby trafen ein paar Freunde aus der Schule. Leider, so fand Toby, war hier auch Patrick dabei. Patrick hatte ein Auge auf Tina geworfen und Patrick war schon 19 und hatte ein Auto. Patrick rief dann auch die beiden in das Zelt und bot Tina einen Platz auf seinem Schoß an. Tina setzte sich kichernd, doch Toby stand wie ein begossener Pudel im Regen. Er machte gute Mine zum bösen Spiel und gemeinsam tranken sie eine Runde Caipirinha. Patrick gab eine Runde Zigaretten aus und amüsierte sich über Toby, das Weichei, der keine rauchen wollte. Dem wurde das allmählich zu bunt, aber leider konnte er Tina nicht überreden, mit ihm zu kommen. Also machte er sich traurig allein auf den Heimweg.

Zwei, drei Zigaretten und so manchen Drink später nutze Patrick die Gunst der Stunde, flüsterte Tina etwas ins Ohr und machte sich mit ihr ebenfalls auf den Weg. Tina trug noch immer den blauen Ballon am Handgelenk. Patrick hielt seine Kippe an den Ballon. Der Ballon platze. Als Tina traurig wurde, wollte Patrick sie aufheitern. Mit einer albernen Verbeugung reichte er ihr eine eben aus den Rabatten gerissene Studentenblume. Doch anstatt sie damit völlig davon zu überzeugen, dass es ein gute Idee wäre, mit zu ihm zu kommen, war es, als wachte Tina auf. Sie machte sich los von Patrick und lief allein nach Hause.

Am nächsten Morgen hatten Toby und Tina wieder Standdienst, wieder gleichzeitig. Schwere Wolken hingen am Himmel. Patrick und seine Kumpel kamen vorbei. Er beugte sich über den Tisch und raunte Tina zu, ob sie denn heute Abend gedenke, etwas lockerer drauf zu sein und das wäre gestern ganz schön fett gewesen, ihn erst so anzumachen und dann einfach stehenzulassen, dass sollte sie sich ja nicht noch einmal erlauben. Toby beobachtete alles aus der Ferne. Dann fragte er Tina: „Dann hast Du also gar nicht?“. „Nein“, sagte Tina und schaute Toby zum ersten mal an diesem Morgen in die Augen. Ein Sonnenstrahl brach durch die Wolkendecke.

Ja, so ist das mit den Spuren. Da sind die beiden längst wieder gute Freunde, aber Spuren sind geblieben.


Keiner bleibt von den Spuren des Lebens verschont.

Dies zeigt auch die Fotoserie „Lebensspuren“


Da wollen wir alle Spuren im Leben hinterlassen, doch dann hinterlässt das Leben Spuren an uns.


Viel will der Mensch gestalten, überall möchte der Mensch, möchte man selbst Spuren hinterlassen. Leider wird aus dem Gestalten jedoch oft ein Verunstalten.

Schauen Sie sich einfach um, sie finden sie selbst, die …


Auf seine Spuren zu achten hilft, den Kurs zu halten.   


 Spuren überdauern den Augenblick, doch für die Ewigkeit sind sie nicht.

Schon immer konnte ich stundenlang den Wellen zusehen, die am Strand lecken. Dieses Jahr war im Hinterkopf das Thema „Spuren“ mit am Strand. Und so schaute ich diesmal nicht auf ein einfaches Meer, nein, ich betrachtete eine  Video-Installation: Wasser und Sand zeigten „Kommen und Gehen“ Eine klare Aussage zur Vergänglichkeit allen menschlichen Tuns.

 


Die Ausstellung der Werkstatt 93 wird im Rathaus gezeigt. Die feierliche Eröffnung ist ein Ereignis.

Eine gute Gelegenheit für Aktionskunst. Die Bühne ist bereitet!

Die Idee ist einfach: Kinder zwischen drei und zehn Jahren werden mit Fingerfarben ausgestattet. Während der Rede des Bürgermeisters stürmen sie die Ausstellung und drücken ihre farbigen Hände auf die Pobacke des Bürgermeisters, auf das Rednerpult, auf die Sektflaschen und so manches Lieblingsstück eines Besuchers. „Wir sind auch noch da“, wollen sie sagen. Und „Bitte lasst uns Raum, eigene Wege zu gehen und unsere Spuren zu hinterlassen“. Und „Hey – das Leben ist bunt!“

Was für eine Vorstellung – doch die Spuren dieser Aktion sucht man vergeblich. Keine Zeitung hat darüber berichtet, keine Fotos wurden aufgenommen. Die Aktion hat nicht stattgefunden.


 

Das Jahr 2010 ist zu Ende, das Thema „Spuren“ bearbeitet.

Gehen Sie selbst auf Spurensuche!

Oder schauen Sie sich um auf dieser Seite, zu welchen Themen Sie noch Gedichte, Geschichten oder Bilder finden.

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Ihre Cleo Schneider